HAZ Magazin

Ein Heft für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans Menschen und queer lebende Menschen.

September/November 2018

Auf welche Lust habe ich Lust? 

Unlust und die Vielfalt der sexuellen Appetenzen

Wieso nehmen wir an, dass Lustlosigkeit ein Leiden ist? Wenn Menschen in Beziehung treten und in dieser Beziehung die Idee entsteht Sexualität zu leben, dann können die Kategorien Lust und Lustlosigkeit zum Thema werden. Gleiches gilt aber auch, wenn es um die Sexualität mit sich selbst geht. Lustlosigkeit oder auch gesteigerte Lust als Problem oder Störung[1]zu bezeichnen, setzt die Vorstellung einer gesunden Lust voraus. Ob der einzelne Mensch jedoch unter der erfahrenen Lustlosigkeit leidet oder nicht, ob Unlust[2]als Problem erlebt wird, ist subjektiv. Es gibt Menschen, für die Unlust kein Problem darstellt und die mit ihren selbstdefinierten Varianten von keiner oder wenig Lust zufrieden sind. Es gibt aber auch Menschen, für die es ein Problem darstellt und die darunter leiden. Dies ist insofern nachvollziehbar, weil wir in einer Gesellschaft leben, lieben und Sex haben, die eine bestimmte sexuelle Lust (in romantischen Beziehungen) als Norm propagiert und eine kollektive Vorstellung davon erzeugt, was denn sexuelle Lust sei, wie sie auszusehen hat, und dass diese wie angeboren dazu gehöre. Wenn Lustlosigkeit zum Leiden beiträgt, ist eine selbstbestimmte und wohlwollende Sicht auf sich selbst und die Lust sehr hilfreich - und dies gilt ebenso für die Unlust. Unlust kann als Kompetenz[3]gesehen werden, persönliche Grenzen und Wünsche wahrzunehmen. Dies eröffnet mir Experimentierräume in denen ich unterschiedliches Erleben, Begehren und Verlangen in/auf/nach sexueller Interaktion kennenlernen kann. So kann ich als Autor*in der eigenen Lust bestimmen, ob, wann, wo, was und welche Formen von sexuellem Begehren und Erleben von sexueller Lust (auf mich, andere Personen oder Gegenstände gerichtet) ich vermisse oder nicht. Sich die Frage zu stellen „Auf welche Lust habe ich Lust?“ lässt selbstbestimmt eine vielfältige, variationsreiche, ambivalente und auch immer wieder eine sich verändernde Lust kennenlernen.


[1]Die Einteilung von sexuellen Funktionen und Aktivitäten in gesund und krank wird innerhalb der internationalen Klassifikationssysteme DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)und ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems)festgeschrieben. Dort ist die Lustlosigkeit unter Störungen der sexuellen Appetenz zu finden. 

[2]Der Begriff Lustlosigkeit verweist auf etwas Verlorenes, was wiedergefunden werden muss, um die Störung zu beheben. Die Begriffe Lust und Unlust drücken eine selbstbestimmte Definition aus, was sexuell gefällt und was nicht.

[3]Unlust als Kompetenz zu betrachten kommt vor allem aus der systemischen Sexualtherapie um U. Clement und A. Eck.

https://www.haz.ch/dateien/2018/09/HAZmagazin32018_online.pdf


RosaRot

Zeitschrift für feministische Anliegen und Geschlechterfragen

Herbst 2017 / Nr. 53

Paradiesisch Praktisch 

Was tut unser Körper beim Sex? Was getan wird beim Sex, ob mit sich selbst oder mit anderen, und wie wir diesen genussvoll selbstbestimmt gestalten können, sind hauptsächliche Themen des folgenden Artikels. Ich beziehe mich auf Frauen*, Weiblichkeiten und Trans*weiblichkeiten mit ihren vielfältigen Genitalien.

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AEP Informationen

Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft

2017 / Heft 1 


Sexualität ganz Praktisch

Wenn wir als Feminist*innen über Sexualität reden, dann meist über die Geschlechterverhältnisse, in denen die Diskurse um Sexualität eingebettet sind, und weniger über die sexuellen Erlebnis- und Handlungsebenen der Subjekte. Aber was tut unser Körper beim Sex? Was getan wird beim Sex, ob mit sich selbst oder mit anderen, und wie wir diesen genussvoll selbstbestimmt gestalten können, sind hauptsächliche Themen des folgenden Artikels. Ich beziehe mich im Artikel auf Frauen*, Weiblichkeiten und Trans*weiblichkeiten mit ihren vielfältigen Genitalien.

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